Bodenkontakt- oder Stempelndes Hinterrad…
wer kennt die beiden Situationen nicht?

Wenn das Hinterrad Kontakt zur Fahrbahn
hat, dann ist alles im grünen Bereich,
doch sollte der Kontakt aus irgendeinem Grund abreißen, dann ergeben sich schlagartig unkontrollierbare Unruhen im Fahrwerk.
Das Hinterradstempeln entsteht aus verschiedenen Gründen.
Beim Supermotofahren meistens durch unkontrolliertes, zu schnelles Einkuppeln aufgrund von Kraftlosigkeit und Unkonzentriertheit.
Im Offroad ist es der unebene Untergrund, der die Hinterhand des Mopeds entlastet und
es somit ermöglicht, dass das Motorbremsmoment ausreicht, um das Hinterrad zu stark abzubremsen. Sobald es wieder den Boden berührt, gibt es eine schlagartige Belastung auf das Getriebe und somit den HOPPING- Effekt.
Um diese Situation zu verhindern, haben verschiedene, schlaue Köpfe ihre grauen Zellen angestrengt um Systeme zu entwickeln, die diesem Effekt entgegenwirken. Vorgabe war es in jedem Fall, die Kraftübertragung zwischen Getriebe und Sekundärantrieb zu unterbrechen. Das Bauteil, das dafür am einfachsten umkonstruiert werden kann, ist die Schnittstelle zwischen Primär- und Sekundärantrieb und somit die Kupplung.
Drei bekannte Hersteller aus Italien und der Schweiz beherrschen mit ihren Produkten den europäischen Markt (Adler und STM/ Italien; Suter/ Schweiz).
Wir hatten die Möglichkeit, die Systeme zu testen.
In unserem Test ermittelten wir nicht nur unseren Fahreindruck, sondern machten uns auch ein Bild über den Einbau und die Wartung.
Zudem möchten wir euch noch einmal das System Rekluse Z-Start mit C-Brake vorstellen, bei dem es sich um eine Fliehkraftkupplung mit Anti- Hopping- Effekt handelt. Die drei Anti- Hopping- Kupplungen haben wir mit einer Yamaha YZ450 F gefahren. Zudem fuhren wir die Adler- Kupplung in der 690 SM von KTM, die STM in einer Honda CRF450 und die Rekluse mit C-Brake in einer YZ426 F.
Die drei reinen Anti- Hopping- Systeme bewirken ein Öffnen der Kupplung, bevor der Hopping- Effekt einsetzt.
Bei STM und Suter setzt man auf das Kugel-Rampenprinzip, wobei die Kupplungsnabe geteilt und beweglich mit der inneren Druckplatte verbunden ist.
Das Öffnen der Kupplung bewirken Rampen mit bestimmten Winkeln, die sich so gegeneinander verdrehen, dass der Nabenteil die äußere Druckplatte anhebt und somit das Belagspaket trennt. Die Kupplung lässt sich natürlich weiterhin über den Hebel trennen. Um die Reibung in der AHK zu minimieren, rollen Kugeln zwischen den Rampen auf und ab.

Bei STM sind auf der
inneren Druckplatte
Rampen ausgefräst, in die
die Bahnen für die Kugeln
eingefräst sind. Die Kugeln
heben über im Nabenteil
befindliche Gegenrampen
die äußere Druckplatte an.
Die Herstellung der STM ist
sehr aufwendig. Bedingt
durch die hohe Bauweise
des Rampensystems sind
alle weiteren Bauteile ebenso aufwendig und filigran zu fertigen.
Suter liefert eine vor-
montierte Kupplungsnabe
mit bereits montiertem
Anti-Hopping Mechanismus.
Selbst beim Einstellen des
Anti- Hopping- Bereichs
über eine härtere oder
weichere Tellerfeder
(Lieferumfang) braucht man
die Mechanik nicht zu
zerlegen. Lediglich durch
lösen eines Segerringes
wird die Feder getauscht. Auch bei Suter bedient man sich dem Rampenprinzip.
Der Unterschied ist, dass man die Rampen in der hinteren Druckplatte versenkt herstellt,
indem man Nuten für die Kugeln einfräst. Gegenrampen werden nicht benötigt, man lagert
die Kugeln einfach in einer Gegenplatte, die mit der Kupplungsnabe, aber nicht mit der
inneren Druckplatte verbunden ist. Über Verdrehung wird die Nabe angehoben und somit die
Beläge getrennt. Das Suter- System ist kompakter, Bauraum sparender konstruiert und
weniger aufwendig herzustellen.
Die Adler APTC wird im komplett
mit Belägen vormontierten Zustand
geliefert, was eine Neumontage
erleichtert.
Das System funktioniert
anders als das der beiden
vorherigen.
Eine Art Schrägverzahnung
übernimmt die Aufgabe der
Anti- Hopping- Arbeit.
Dafür gibt es zwei Nabenteile,
die ineinander stecken.
Auf dem Inneren Gehäuse ist außen die Verzahnung und in dem Äußeren befindet sie sich
innen. Der Anti- Hopping- Effekt entsteht durch Aufdrehen der Verzahnung (nachzu-
vollziehen, wenn man einen Drehkugelschreiber auf-/ zudreht), dadurch werden die Beläge
getrennt und wieder geschlossen. Positiver Effekt ist, unter Last werden die Beläge
regelrecht zwischen den beiden Druckplatten eingeklemmt da die Verzahnung das System
automatisch “zuschraubt“.

Zu guter Letzt haben wir
noch die Rekluse.
Diese Fliehkraftkupplung,
arbeitet logischerweise
genau anders herum,
als eine Anti- Hopping-
Kupplung.
Sie schließt mittels Kugeln über Rampen in einer Druckplatte die Kraftübertragung.
Der gewollte Effekt wird nicht durch
die Kupplung, sondern durch einen
besonderen Bremshebel für die
Hinterradbremse erreicht.
Dieser ist am Lenker montiert,
da man ja keine Kupplung mehr
benötigt.
An dem Bremshebel ist ein Adapter
angebracht, in den der
Kupplungszug eingehängt wird.
Beginnt man nun zu bremsen,
dann kuppelt man auf dem ersten
Drittel des Hebelweges aus,
bis dann die Bremsbetätigung mit
einsetzt. Mit zunehmender Brems-
krafterhöhung, also mehr Hebel-
weg, kuppelt man immer weiter
aus. Die Feinfühligkeit und Einkuppeldrehzahl kann über einen so genannten “Perch
Adjuster“ eingestellt werden.
Suter, Adler und STM funktionieren alle tadellos.
Die Anti- Hopping- Arbeit lässt sich am stärksten bei STM im Hebel fühlen,
bei Suter weniger und am wenigsten bei Adler.
Doch sollte man bei der Bedienung einer AHK nach Möglichkeit bei verschärftem
Zurückschalten die Finger vom Hebel lassen. Jede Systemunterstützung durch den Fahrer
arbeitet eigentlich gegen die Systemfunktion.

Kurz vor Redaktionsschluss
wurde uns noch eine
weitere Anti- Hopping-
Kupplung zugesandt.
Der Hersteller ist die
Firma Mobil- tech
aus Spaichingen in
Deutschland.
Es handelt sich um eine
sehr einfach aufgebaute
AHK, die auch mit einem
Rampensystem aber ohne Kugeln arbeitet. Die Rampensegmente sind aus Stahl gefertigt
und mit Stiften, beziehungsweise Schrauben befestigt. Eine Seite ist durch die Schrauben
zum Einstellen auswechselbar. Das System macht sich als Anti- Hopping- Federn die
Originalen zu Nutze. Es gibt kein gesondertes Anti- Hopping- Bauteil. Der normale
Kupplungsbereich ist gleichzeitig für die Regelung zuständig. Der einfache Aufbau konnte
aber den Preis leider nicht niedrig halten.
Fazit:
Welche Kupplung ist nun die beste? Platz 1
Da die aufzubringende Handkraft bei allen drei Kandidatinnen geringer als beim Original
und die Funktionalität auch bei allen ziemlich gleich ist, fiel unsere Entscheidung auf
die von Suter.
Sie ist am einfachsten zu montieren und warten, spricht im Anti- Hopping- Bereich am
feinfühligsten an (im Lieferumfang sind verschieden harte Anti- Hopping- Federn zum
Einstellen enthalten) und sie ist die günstigste.
Den zweiten Platz belegt Adler.
Die Funktion ist genauso gut, die Erstmontage einfacher,
da sie mit allen Belägen vormontiert ist, aber die Wartung ist weitaus aufwendiger
und der Preis übersteigt das Schweizer Produkt.
Auf Platz drei liegt die STM- Kupplung.
Sie ist durch ihre aufwendige Herstellung am teuersten, ein wichtiges Montagewerkzeug
muss man selber eventuell dazukaufen, Einbau und Wartung sind aufwendig, es wird nichts
vormontiert geliefert, sie arbeitet nicht ganz so feinfühlig wie die Suter Clutch
und der Preis liegt inklusive Werkzeug bei über tausend Euro.
Die Kupplung von Mobil- tech haben wir nicht bewertet,
da wir sie leider noch nicht fahren konnten.
Die Rekluse Fliehkraftkupplung lässt sich nicht direkt mit den anderen Modellen vergleichen.
Ob jemand im Supermotosport auf diese Form der Kupplung mit Brems-/Kupplungs-
Kombinationshebel umsteigt sei dahingestellt. Rüdiger Kranz, ein Fahrer aus der deutschen
Prestige- Klasse fährt sie und ist zufrieden.
Auch sie hat ihre Vorteile. In Rechtskurven kann man im Kurvenverlauf in voller Schräglage
bremsen, da ja die Hinterradbremse am Lenker montiert ist und man somit den Fuß getrost
auf dem Boden stehen lassen kann. Bei einem Sturz geht das Motorrad nicht mehr aus.
In engen Hallenkursen und kniffligen Offroad- Engstellen fällt das lästige Kupplungsspielen
komplett weg.
Für Endurofahrer ist die Rekluse sehr interessant.
Schlammdurchfahrten und das Anfahren an schwierigen Bergauf- Passagen werden dadurch
selbst von nicht so versierten Enduristen sicher gemeistert, da die Kupplungsbetätigung
entweder automatisch mit dem Bremsvorgang abläuft, oder beim Anfahren automatisch bei
jedem Gasstoß erfolgt.
Bei Interesse gibt es ein Video unter www.mototech.de
Wir sind der Meinung, dass es durchaus eine Bereicherung im Fahrbetrieb mit sich bringt,
egal für welches System man sich entscheidet.
Bezugsquellen und Preise:
Suter
www.suterracing.com
Preis: ca. 797 Euro
Adler
www.stein-dinse.de (außer KTM)
www.ktm.de (nur KTM)
Preis: ca. 950 Euro (inkl. aller Kupplungsscheiben)
STM
www.zupin.de
Preis: ca. 900 Euro (+ ca. 140 Euro Montierwerkzeug)
Rekluse
www.rekluse-europe.com
Preis: ca. 900 Euro (Kupplung, Bremspumpe + Leitung, Einsteller)
Mobil- tech
www.mobil-tech.de
Preis: ca. 850 Euro