Gatorbrake

Auch wenn wir als Schreiberlinge erst seit kurzem unser Unwesen in der Tret-Bike-Szene
treiben, kennen wir uns doch mit Bremsen aus. Aus Taiwan stammt unser neues
Stoppersystem, das wir zum Testen an unserem Dauertester montiert haben.
Das Unternehmen Gatorbrake wird vom deutsch/europäischen Direktvertrieb unter der
Leitung von Marko D. Brekalo vertreten. Und da wir Herrn Brekalo schon häufiger beim
Supermotofahren getroffen haben und man im Gespräch auf das Thema Fahrradfahren kam,
sagte er im Laufe unserer Unterhaltung irgendwann:
“Ich hab da was für Euch, das probiert ihr mal aus…!“
Gesagt, getan. Eine Sechskolben DownHill Anlage sollte es sein.
Vorne und hinten jeweils 203er Scheiben, zwei radiale und zwei normale Pumpen,
sowie alle dazugehörigen Leitungen, Anbauteile und Adapter wurden uns vom Chef
persönlich zum Testen vorbereitet.

Vorne |

Hinten |
Die Montage des Systems, inklusive Kürzen und Anschließen der Leitungen war nicht
schwierig. Gut mal vom benötigten Sachverstand abgesehen, sollte das System jeder
technisch versierte Schrauber montieren können.
Wir installierten zuerst die radialen Handbremszylinder,
wobei man bei der Montage darauf zu achten hat, dass man die Dichtung vom jeweils
oben liegenden Deckel verkehrt herum einbauen muss.
Die Pumpen haben jeweils oben und unten einen Deckel,
da sie beidseitig verwendet werden können.

Befüllt wird mit Hydrauliköl.
Um die Scheiben zwischen den Sätteln mittig verlaufen zu lassen,
stellte man uns im Set inbegriffene, 0,2 Millimeter dicke Einstellscheiben zur Verfügung.
Erster Test… der Griff in die vollständig entlüftete Anlage.
Vom Gefühl her würde ich von einem satten, harten Druckpunkt sprechen.
Der Fahrtest:
Die Teststrecke war der Jocher- Höhenweg oberhalb vom und der Trailpfad am Kochelsee.
Natürlich war es dort nicht möglich, die Dauerstandhaftigkeit der Anlage zu testen, da die
Abfahrt dafür zu kurz ist, aber der schottrig rutschige Forstweg ließ Rückschlüsse auf die
Dosierbarkeit der Stopper bei schneller und auf dem Trail bei langsamer Fahrt schließen.
Was wir gleich bemerkten, war die etwas höhere Handkraft als bei der Standart-
Bremsanlage bestehend aus Formular K24 in Verbindung mit ORO Pumpen.
Dass man mehr Kraft benötigt, hört sich allerdings negativer an, als wir es empfunden
haben, da somit die Hand als Sensor dient und damit ein Feedback zum gebremsten Rad
aufgebaut wird. Zudem hat eine Schreckbremsung nicht so schnell fatale Folgen und jeder
DownHill- Fahrer sollte genug Power in der Hand haben,
um dieses System mühelos zu bedienen.

Also Dosierbarkeit dank “Handsensor“ gut!
Und wie steht es mit der Lenkbarkeit des Hecks?
Da die Belaggröße von der eines Zweikolbensattels stark abweicht, liegt natürlich auch mehr
Belagfläche zu einer spürbaren Verzögerung auf der Scheibe auf.
Das Hinterrad lässt sich in einem Bereich verzögern,
in dem man von etwa 40-60 Prozent Schlupf sprechen könnte.
Das Rad dreht also noch, obwohl es stark verzögert,
was zu einer Lenkbarkeit der Hinterhand führt,
die nicht mit dem Körper oder purer Kraft herbeigeführt werden muss.
Vielleicht sind wir da ein wenig sehr die Supermoto- Fahrer,
aber so fühlt sich das nun einmal an.

Gatorbrake Bremsbelag |
Formula K24 Bremsbelag |
Vorne lässt sich die Zange gut und schnell korrigieren, das heißt,
dass beim Entlasten des Hebels fühlbar schnell die Zange öffnet und man durch erneute
Druckerhöhung den Bremsvorgang nachjustieren kann.
Also ist die Hysterese- Fehlerschleife, so zu sagen die Reaktionszeit des Systems
auf Bedienbefehle, an beiden Rädern Vertrauen erweckend kurz.
Der Fehler bezeichnet die Abweichung einer optimal verlaufenden Messkurve zu der realen.
Herbeigeführt werden diese Fehler im Falle einer Bremsanlage
zum Beispiel durch Reibung im System.
Die Reibung zwischen Geberzylinder und Dichtungen werden oft erzeugt durch schräg
stehende Kolbenstangen, wodurch Querkräfte zwischen Zylinderwand und Kolben
verursacht werden. Direkt am Bremssattelkolben entsteht diese Reibung zwischen Kolben
und Dichtung, wobei an einem größeren Kolben aufgrund der größeren Fläche auch mehr
Reibung entsteht. Zudem vergrößert sich die Reibung, wenn der Kolben wegen ungleich
abgenutzter Beläge schräg steht und klemmt.
Dieses Problem minimiert man bei GATORBRAKE indem man einen großen Belag über jeweils
drei verschieden große Kolben pro Außen- und Innenseite ansteuert.
Erstens ist es anzunehmen, dass die Reibung in der Summe an den sechs kleinen Kolben
geringer ist, als die Reibung an den zwei großen Kolben einer Doppelkolbenanlage.
Zweitens strebt ein großer, langer Belag nicht so schnell zu einer Schrägstellung.

Also das Fazit zum Hysteresefehler bei dieser Sechskolbenanlage:
Das System reagiert sensibler und schneller auf das Beaufschlagen mit Druck
und legt somit schneller die Beläge an der Scheibe an,
überbrückt also schneller den “Lüftspalt“ zwischen Belag und Scheibe.
Genauso schnell reagiert das System aber auch beim Nachlassen des Druckes.
Somit liegen die Verläufe der Reaktionslinien beim Schließen,
wie auch beim Öffnen der Bremse nahe der ideal mittig verlaufenden Messlinie.
Auf dem Trail waren wir bisher ebenfalls zufrieden.
Auch beim langsamen Überwinden von bergab verlaufenden Hindernissen ließ die
Dosierbarkeit über die sechs Kolben in Verbindung mit den großen Belägen keine Wünsche
offen, selbst bei Nässe verkrallten sich die Pads in der Scheibe
und fingen dabei nicht heiser zu singen an.
Wie sich das System im Härtetest mit langen, steilen Bergabpassagen schlägt,
wird sich leider erst im Jahr 2011 zeigen.
Jetzt ist Winter und Schnee und KALT!!!

Auch die einfachen Bremspumpen werden wir erst nächstes Jahr probieren.
Bis dahin überlegen wir uns, welchen Trail wir zuerst unter die Räder nehmen –
wenn da der Winter nicht im Frühling eventuell noch ein kleines Wörtchen mitredet……
Bis dahin viel Spaß im Schnee! Wir versuchen es diesen Winter eventuell mal wieder mit
Skijöring…und Hallensupermoto natürlich !!!
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